TCM
Einleitende Worte
Ob im Freundeskreis oder in der eigenen Familie, immer wieder stößt man auf Menschen, die durch einen sehr intensiven, anstrengenden Lebensstil ausgepowert und übermüdet sind. Es ist Teil unserer schnelllebigen, hektischen Lebensweise, dass wenig darüber reflektiert wird, warum man sich nicht mehr wohl und beschwerdefrei fühlt und was man selbst in Angriff nehmen könnte, um wieder zu einem Wohlbefinden, wie die Chinesen sagen würden: zu ihrer Mitte, zurückzukehren. Wenig wird Zeit investiert für eine ausgewogene, gesunde Ernährung; oder anders ausgedrückt: Wenige erkennen den Zusammenhang von persönlichem Wohlbefinden und guter Ernährung.
Nichts tun wir so regelmäßig, als uns mit Nahrung zu versorgen. 75% dieser Nahrung sind laut Studie in Durchschnitt industriell erzeugte und somit qualitativ minderwertige Nahrungsmittel in Deutschland und Österreich, eingeschlossen Fertiggerichte, Tiefkühl- und Miokrowellenkost. Sie lassen den Hunger zwar verschwinden, „nähren“ uns aber nicht wirklich. Dass Fehler im Bereich der Ernährung und des Ernährungsstils Hauptursachen für die Entstehung von Zivilisationskrankheiten darstellen, ist heutzutage nichts Neues mehr. Und dennoch fällt es den meisten Menschen schwer, sich selbst einzugestehen, dass es eine sehr einfache und naheliegende Verbesserung des Lebens wäre, bei der täglichen Nahrungsaufnahme mehr Achtsamkeit, Zeit und Liebe zu investieren. Die Beschäftigung mit der Nahrung bewirkt ein Verständnis für etwas Ganzheitliches und eine Dankbarkeit der Natur gegenüber, die alles für uns bereit hält. Hingebungsvolles Kochen, das Für-Sich-Sorgen als kreativ-schöpferischer Akt und das daraus resultierende bewusstere Essen kann helfen, für sich selbst eine energetisch ausgewogene Ernährung zu entdecken – die wirkungsvollste Gesundheitsvorsorge neben täglicher Bewegung in guter Luft. Wenn wir uns gut (er)nähren, sorgen wir auf elementarster Ebene für uns selbst.
Wer sich nicht wohl fühlt und zum Arzt geht, wird vom westlichen Mediziner in dieser Phase wenig Unterstützung bekommen, denn meist sieht man nichts „schwarz auf weiß“. Von Krankheit spricht man bei uns im Westen erst, wenn der Blutbefund nachweist, dass diverse Werte von der Norm abweichen – und dann ist man meist schon mitten drin in einer Krankheit.
Doch eine Krankheit beginnt nicht erst, wenn die westlichen Ärzte es in Befunden darlegen können, sondern sie beginnt fast immer harmlos und schleichend, eben mit diesem „sich nicht rund fühlen“: mit dem Kneifen in der Brust, den Schmerzen in der Lendengegend, dem Heißhunger auf Süßes, Konzentrations- bis hin zu Schlafstörungen, chronischer Müdigkeit oder Ohrensausen – Beschwerden, die oft als lästige Begleiter akzeptiert werden. Es wäre so wichtig, diese relativ harmlosen Anzeichen zu Beginn eines krankhaften Prozesses früh zu erkennen. Ein großer Teil unserer Beschwerden liegt in einem Feld, das von uns beeinflussbar ist: durch ausreichend Schlaf, Erkennen der eigenen Bedürfnisse und Grenzen sowie Sorge tragen für sich selbst, u.a. durch qualitativ gutes Essen und ausreichend Bewegung, die eine gute Atmung fördert.
Hierzulande kommen ernährungstherapeutische Maßnahmen kaum zum Einsatz. Anders in China, wo Ernährungsberatung fester Bestandteil jeder traditionellen medizinischen Behandlung ist. Die Diätetik hat in China eine lange Tradition und ist seit jeher mit dem Wunsch nach langen Leben verbunden. Dazu gehörte immer auch regelmäßiges Essen gesunder und der Jahreszeit entsprechender Nahrungsmittel. Hierzu erklärt Barbara Temelie, in TCM ausgebildete Ernährungsberaterin: „Man muß sich … vor Augen halten, dass es für Chinesen ohnehin eine Selbstverständlichkeit ist, ihre Mahlzeiten täglich so auszuwählen, dass sie der Gesundheit zugute kommen. ….jedermann und jederfrau haben ein Grundwissen darüber, wie Beschwerden als Warnung für die Entstehung einer Krankheit gedeutet werden können und welche gesundheitliche Wirkung jedes einzelne der traditionellen Gerichte hat; die enorme Vielfalt derselben sorgt dabei für Abwechslung. Ganz bewusst wird beispielsweise entschieden, ob es ratsam ist, eine Fleischspeise mit erwärmendem Lammfleisch oder eine Suppe mit kühlendem Tofu zu essen….Die eigenverantwortliche, gesundheitliche Vorsorge, die von den Chinesen betrieben wird, indem sie ihre Ernährung selbstverständlich dem Lebensalter, der individuellen Konstitution und den Jahreszeiten anpassen, ist vorbildlich und außerordentlich effektiv.“
